Stell dir vor, es ist Karneval, aber niemand hat ein buntes Kostüm aus dem Laden. Es gibt keine großen Wagen voller Süßigkeiten und keine laute Musik aus Lautsprechern. Klingt langweilig? Ganz und gar nicht! Genau so hat der Karneval in Niederkassel vor langer Zeit wieder angefangen.
Hier erfährst du, wie aus einer grauen Zeit eine bunte Party wurde und wie die Vereine entstanden sind, die wir heute kennen.
1. Lachen ist gesund – besonders wenn man nichts hat
Nach dem Zweiten Weltkrieg (der war im Jahr 1945 zu Ende) lagen viele Städte in Trümmern. Auch in Niederkassel hatten die Menschen große Sorgen. Sie hatten kaum Geld und oft Hunger. Man nennt diese Zeit die „Nachkriegszeit“.
Aber gerade weil alles so grau und traurig war, wollten die Menschen unbedingt wieder lachen. Sie wollten für ein paar Stunden ihre Sorgen vergessen. Deshalb fingen sie ganz klein wieder an, Karneval zu feiern.
Da man keine Kostüme kaufen konnte, musste man erfinderisch sein:
- Alte Gardinen wurden zu Prinzessinnenkleidern.
- Kartoffelsäcke wurden zu Narrenkappen.
- Uniformen waren eigentlich verboten (weil alle genug vom Militär hatten), aber die Jecken nähten sich lustige Fantasie-Uniformen aus Stoffresten, um sich über das strenge Militär lustig zu machen.
2. Die Dörfer wachen auf – Die ersten Vereine
Nach und nach ging es den Menschen besser, und in den verschiedenen Stadtteilen von Niederkassel (den „Veedeln“) taten sich die Leute zusammen, um richtig zu feiern.
Die mutigen Frauen von der Kaygass (Uckendorf) In Uckendorf waren es die Frauen, die 1958 den Startschuss gaben. Sie gründeten die „Kaygass Schull“. Das ist keine Schule, in der man Mathe lernt, sondern ein lustiger Verein! Diese Frauen machten alles selbst („handgemacht“): Sie nähten Kostüme, dachten sich Tänze aus und sorgten dafür, dass auch im kleinen Uckendorf richtig gefeiert wurde.
Die „Möhre“ von Rheidt (FRK) In Rheidt wollten die Vereine 1961 endlich wieder einen richtigen Karnevalszug haben. Sie gründeten das Festkomitee Rheidter Karneval (FRK). Weißt du, wie der erste Prinzenwagen aussah? Er war keine goldene Kutsche, sondern eine riesige Möhre! Der erste Prinz hieß Heinz Frohn, und sein Spitzname war „De Morre Hein“ (der Möhren-Heinz). Die erste Vereinsfahne war sogar mit der Hand geknüpft. Das zeigt, wie viel Mühe sich die Leute gaben.
Ranzel wird Rut-Wiess In Ranzel fingen ein paar Männer (Mathias Köllgen, Jakob Miebach und Willi Werner) schon kurz nach dem Krieg an, Sitzungen zu machen. 1961 gab es den ersten kleinen Zug. Aber erst im Jahr 1973 wurde der Verein KG Rut-Wiess Ranzel offiziell gegründet, damit alles seine Ordnung hatte. Sie sorgten dafür, dass der „Veilchendienstagszug“ in Ranzel zu einer festen Tradition wurde.
Niederkassel-Ort: Grün-Gelb und die Nachbarn vom Birkenweg In Niederkassel-Ort gab es lange Zeit den Verein KG Grün-Gelb. Sie haben sich fast 50 Jahre lang darum gekümmert, dass der Rosenmontagszug durch die Straßen rollt (bis zum Jahr 2019). Aber sie waren nicht allein: 1975 zogen ein paar Familien aus Köln in den „Birkenweg“ nach Niederkassel. Die vermissten den Kölner Karneval so sehr, dass sie einfach ihren eigenen Verein gründeten: die IGK (Interessengemeinschaft Karneval). Ihre Geschichte ist lustig: Zuerst bauten sie nur eine kleine Tribüne am Straßenrand, um den Zug anzuschauen. Aber schon ein Jahr später bauten sie ihren ersten eigenen Wagen als „Römer“ verkleidet. Heute ist die IGK riesig und bekannt für ihre Tanzgruppen wie die „Stadtgarde“.
3. Karneval heute
Siehst du? Der Karneval in Niederkassel ist nicht einfach so „passiert“. Er ist entstanden, weil die Menschen nach einer schweren Zeit wieder Freude haben wollten. Viele Opas und Uromas haben Kostüme genäht, Wagen gehämmert und Vereine gegründet, damit wir heute am Straßenrand stehen und „Kamelle!“ rufen können.
Wenn du das nächste Mal einen Wagen von Rut-Wiess, der IGK, dem FRK oder der Kaygass siehst, weißt du jetzt, welche spannende Geschichte dahintersteckt!